Hintergrund
Studierende mit Migrationshintergrund berichten häufiger über ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl („Sense of Belonging“), verbunden mit höherem Stress und erhöhter Abbruchneigung. Trotz dieser Relevanz liegen im deutschsprachigen Raum bislang kaum qualitative Untersuchungen zu diesem Thema vor. Ziel der Studie war es, das subjektive Zugehörigkeitserleben von Studierenden mit Migrationshintergrund zu rekonstruieren und dessen Bedeutung für die mentale Gesundheit zu analysieren.
Methodik
Die Untersuchung folgte einem qualitativ-explorativen, Community-basierten Design. An einer Hochschule für angewandte Wissenschaften im Ruhrgebiet wurden 28 Peer-Interviews mit Studierenden mit Migrationshintergrund geführt. Die Auswertung erfolgte mittels strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz, theoretisch gerahmt durch die Social-Identity-Theorie (Social-Cure-Ansatz), den „Social-Determinants-of-Health“-Ansatz und das „Study-Demands-Resources“-Modell.
Ergebnisse
Zugehörigkeit erwies sich als zentrale Ressource für psychische Gesundheit. Fehlende Zugehörigkeit war mit emotionaler Erschöpfung, Demotivation und psychosomatischen Symptomen assoziiert, während erlebte Zugehörigkeit als Puffer- und Aktivierungsfaktor wirkte. Hochschulische Kommunikationskultur, soziale Dynamiken unter Studierenden sowie strukturelle Ungleichheiten beeinflussten das Zugehörigkeitserleben maßgeblich.
Schlussfolgerung
Zugehörigkeit stellt eine sozial und institutionell gestaltbare Gesundheitsdeterminante dar. Maßnahmen der Gesundheitsförderung sollten strukturelle, soziale und organisationale Bedingungen in den Blick nehmen, die Zugehörigkeit stärken, etwa durch transparente Regeln, wertschätzende Kommunikation und inklusive Lernumgebungen.