Weibliche Genitalverstümmelung (female genital mutilation, kurz FGM) ist kein regional begrenztes Phänomen, sondern stellt bundesweit eine relevante Herausforderung für den Kinderschutz dar. Prävention und Schutz müssen daher flächendeckend gewährleistet sein. Fachkräfte stehen zunehmend vor Situationen, in denen fachliche Einschätzung, rechtliche Einordnung und konkretes Handeln eng miteinander verknüpft sind. Gerade im Kontext von FGM fehlen jedoch häufig spezialisierte Kenntnisse, klare Verfahren und praxistaugliche Orientierung. Auch bestehende Strukturen der Fachberatung stoßen hier an Grenzen, da FGM als spezifische Form der Kindeswohlgefährdung in Fort- und Weiterbildungen bislang nur selten systematisch behandelt wird. Dies führt in der Praxis zu Unsicherheiten bei der Einschätzung von Gefährdung und bei der Umsetzung geeigneter Schutzmaßnahmen.
Ziel der Lernplattform ist es, bundesweit die Handlungssicherheit von Fachkräften zu stärken – insbesondere bei komplexen Gefährdungslagen im Kontext weiblicher Genitalverstümmelung.
Das digitale Lernangebot richtet sich insbesondere an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der Pädagogik sowie an Kinderärztinnen und Kinderärzte. Es basiert auf der langjährigen fachlichen Expertise von SAIDA International e. V. und verbindet rechtliche, fachliche und praxisbezogene Perspektiven.
Die Lernmodule sind aus der Praxis für die Praxis konzipiert und lassen sich gut in den Arbeitsalltag integrieren. Ergänzend steht eine praxisorientierte Handlungsempfehlung (digital und als Printversion) zur Verfügung, die Fachkräfte dabei unterstützt, bei Verdachts- und Gefährdungsfällen strukturiert, rechtssicher und abgestimmt zu handeln. Die Teilnahme am digitalen Lernangebot ist kostenfrei. Die Module bauen aufeinander auf und haben einen Gesamtumfang von etwa vier Stunden. Nach erfolgreichem Abschluss aller Module kann ein Teilnahmezertifikat abgerufen werden.
Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.