Die Studie untersucht die Lebensrealitäten, Identitätsprozesse und gesellschaftliche Teilhabe kurdischer Münchnerinnen und Münchner auf Basis qualitativer und quantitativer Erhebungen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Erfahrungen mit Rassismus.
Neben leitfadengestützten Interviews und Fokusgruppen wurden soziodemografische und sozioökonomische Daten erhoben und ausgewertet, um Wissen über strukturelle Bedingungen und individuelle Erfahrungen von Kurdinnen und Kurden in München und speziell zu rassistischer Diskriminierung zu generieren. Die Ergebnisse zeigen ein vielfältiges Bild einer transnational vernetzten, historisch gewachsenen Community. München ist für viele Kurdinnen und Kurden ein Ort des Schutzes und des Neuanfangs, aber sie erleben auch Diskriminierung. Die empirischen Befunde verdeutlichen, dass fehlendes Wissen und stereotypisierende Vorstellungen Diskriminierung und Rassismus begünstigen.
Die Studie zeigt, dass viele Kurdinnen und Kurden trotz jahrzehntelanger Verwurzelung in München sowohl mit subtilen als auch mit offenen Formen von Benachteiligung konfrontiert sind – im Alltag, im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt und in Behörden. Besonders belastend wirkt die sicherheitspolitische Rahmung, unter der kurdische Organisationen häufig betrachtet werden und die zu Misstrauen, pauschaler Verdächtigung und institutioneller Distanz führt. Diese Erfahrungen erzeugen bei vielen ein Gefühl permanenter Rechtfertigung, Verunsicherung und eingeschränkter Zugehörigkeit. Besonders betroffen sind Personen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus oder Staatenlose. Sie sind von rechtlicher Unsicherheit und eingeschränktem Zugang zu sozialen Ressourcen betroffen. Trotz dieser Herausforderungen leisten kurdische Akteurinnen und Akteure einen bedeutenden Beitrag zum kulturellen, sozialen und politischen Leben der Stadt. Sie schaffen Orte der Begegnung, stärken den sozialen Zusammenhalt und fördern ein demokratisches Verständnis von Vielfalt. Ihre Arbeit steht für das Ringen um Anerkennung, Teilhabe und Sichtbarkeit innerhalb einer postmigrantischen Stadtgesellschaft.
Die Studie unterstreicht, dass eine diskriminierungssensible, menschenrechtsorientierte Stadtpolitik wesentlich dazu beitragen kann, rechtliche wie symbolische Exklusion abzubauen und kurdisches Leben als Teil einer vielfältigen, demokratischen Stadtgesellschaft zu verankern.