Diese Dissertation untersucht, wie Zwangsmigration mit der frühen Gesundheit und Entwicklung der nachfolgenden Generation zusammenhängt. Am Beispiel Geflüchteter in Deutschland wird analysiert, inwiefern elterliche Fluchterfahrungen mit zwei zentralen Phasen kindlicher Gesundheit assoziiert sind: Geburtsindikatoren und frühkindliche Entwicklung (ECD).
Ausgehend von einem lebenslauforientierten Ansatz wird Flucht als strukturierende Bedingung kumulativer Belastungen verstanden. Durch den Vergleich von Kindern Geflüchteter mit Kindern freiwilliger Migrantinnen und einheimischer Eltern untersucht die Dissertation, inwiefern Zwangsmigration als distinkte strukturelle Bedingung mit frühen Gesundheitsungleichheiten assoziiert ist. Die empirischen Analysen basieren auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP), einschließlich der IAB-BAMF-SOEP-Befragung von Geflüchteten. Ein konzeptionelles Modell beschreibt die intergenerationale Weitergabe von Benachteiligungen über drei Wirkpfade: den elterlichen, den dualen und den direkten Pfad. Das erste Kapitel vergleicht Geburtsindikatoren zwischen Geflüchteten, Migrantinnen und einheimischen Müttern und weist Unterschiede im Gestationszeitpunkt nach. Das zweite richtet den Fokus auf Frühgeburten und untersucht Bedingungen des Ankommens wie Wohnsituation, Sprachkenntnisse und soziale Netzwerke. Das dritte Kapitel analysiert die frühkindliche Entwicklung von Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren und vergleicht Kinder mit Flucht- und freiwilligem Migrationshintergrund in Bereichen wie Kommunikation, Motorik und soziales Verhalten, unter Verwendung eines dualen Wirkpfadmodells.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass elterliche Zwangsmigration mit frühen gesundheitlichen Ungleichheiten der zweiten Generation verknüpft ist. Die Arbeit plädiert für differenzierte, migrationssensible Public-Health-Strategien, die strukturelle und intergenerationale Dimensionen der Geflüchtetenintegration berücksichtigen.