Hintergrund
Kultursensible Gesundheitsversorgung wird vielfach als Schlüsselstrategie zur Berücksichtigung der Vielfalt von Patientinnen und Patienten betrachtet. Ihr Fokus auf kulturelle Differenz greift jedoch zu kurz, wenn strukturelle Ungleichheiten und Diskriminierungsformen unbeachtet bleiben. Solche Konzepte können zu Kulturalisierung, Stereotypisierung und begrenzter struktureller Wirksamkeit führen.
Fragestellung
Welche Grenzen zeigen sich bei kultursensiblen Ansätzen in der Gesundheitsversorgung und wie können diskriminierungskritische Perspektiven zu einer chancengerechteren Versorgung beitragen?
Material und Methode
Der Beitrag folgt einem theoriegeleiteten und praxisbasierten Zugang. Er basiert auf einer kritischen Analyse kultursensibler Versorgungsansätze unter Rückgriff auf interdisziplinäre Literatur, der Reflexion des Programms „Empowerment für Diversität“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie dokumentierten Fallbeispielen aus dem Klinikalltag.
Ergebnisse
Diskriminierungskritische Ansätze ermöglichen eine differenziertere Betrachtung gesundheitlicher Ungleichheit, indem sie soziale und strukturelle Determinanten von Gesundheit sowie gesellschaftliche und institutionelle Machtverhältnisse in den Fokus rücken. Fallbeispiele zeigen: Die Reduktion komplexer Versorgungslagen auf „Kultur“ kann strukturelle Ausschlüsse verstärken. Durch das Empowerment-Programm werden gezielt strukturelle Hürden abgebaut und Diversitätskompetenz im Gesundheitspersonal aufgebaut.
Schlussfolgerungen
Für die Förderung gesundheitlicher Chancengleichheit sind kultursensible Maßnahmen allein unzureichend. Erst durch den Abbau struktureller Hürden beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, institutionelle Veränderungen und den Aufbau von Diversitätskompetenz beim Gesundheitspersonal kann gesundheitliche Chancengerechtigkeit nachhaltig gefördert werden.