Ziel der Analysen ist es, gesundheitliche Ungleichheit zwischen Ab-80-Jährigen mit und ohne Migrationserfahrung zu untersuchen. Dafür wird auf Daten der Studie D80+ „Hohes Alter in Deutschland“ mit 10.578 Teilnehmenden in Privathaushalten und Heimen zurückgegriffen. Für die Analysen werden drei Indikatoren der gesundheitlichen Lage verwendet: subjektive Gesundheitseinschätzung, Hilfebedarf bei instrumentellen Tätigkeiten des alltäglichen Lebens (funktionale Gesundheit) und das Vorhandensein eines Pflegegrades. Die große Zahl an teilnehmenden Zugewanderten ermöglicht es, zwischen bis 1949 und ab 1950 Zugewanderten sowie nach verschiedenen Geburtsregionen zu unterscheiden. Untersucht wird hierbei, ob gesundheitliche Ungleichheit ohne und mit Kontrolle wichtiger Kompositionsmerkmale wie Alter, Geschlecht, Bildung, Region und Gemeindetyp besteht und ob sich Unterschiede zwischen den Zuwanderungsgruppen zeigen.
Die Ergebnisse der Regressionsanalysen zeigen keine gesundheitlichen Nachteile für bis 1949 Zugewanderte im Vergleich zu in Deutschland Geborenen. Für ab 1950 Zugewanderte hingegen zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Migrationserfahrung und funktionaler Gesundheit sowie dem Vorhandensein eines Pflegegrades auch nach Kontrolle der Kompositionsmerkmale. Es finden sich deutliche Unterschiede zwischen den Zuwanderungsgruppen. So haben ab 1950 Zugewanderte aus West- und Nordeuropa eine bessere funktionale Gesundheit als in Deutschland Geborene. Ab 1950 aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten Zugewanderte sind bezüglich der funktionalen Gesundheit weniger stark benachteiligt als aus dem übrigen Osteuropa Zugewanderte.
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass trotz der Mechanismen, die eine Nivellierung gesundheitlicher Ungleichheit mit zunehmendem Alter begünstigen könnten (wie Healthy Migrant Effect, Unhealthy Remigration Effect, selektive Mortalität), nach Deutschland Zugewanderte aus den meisten Herkunftsregionen nicht die gleichen Chancen auf ein gesundes Altern haben wie in Deutschland Geborene.