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Hans Vogt

Struktureller Rassismus im deutschen Gesundheitssystem – Empirische Befunde und politische Handlungsoptionen

Rassismus ist kein Randthema des Gesundheitssystems – er prägt es strukturell. Internationale und zunehmend auch nationale Studien zeigen, dass rassistische Diskriminierung sowohl die Arbeitskontexte von betroffenen Fachkräften als auch die Gesundheit und Versorgung von betroffenen Patientinnen und Patienten beeinflusst.

Rassismus gegenüber Gesundheitspersonal

Studien zeigen, dass insbesondere rassistisch markierte Pflegefachpersonen, aber auch Ärztinnen und Ärzte sowie andere Beschäftigte im Gesundheitswesen in Ausbildung und Arbeitsalltag Benachteiligung und Ausgrenzung erleben – durch Vorgesetzte, im Team und durch Patienten und Patientinnen (Ritter 2023; 2024; Vogt et al. 2025). Gleichzeitig wächst die Zahl international angeworbener Pflegekräfte. Viele von ihnen arbeiten in einem Umfeld, in dem sie Rassismus durch Kolleginnen und Kollegen erfahren und strukturellen Abhängigkeiten ausgesetzt sind. Diese zeigen sich u. a. darin, dass Aufenthaltstitel häufig an Arbeitsverträge gebunden sind. Dadurch entstehen prekäre Beschäftigungssituationen und starke Abhängigkeiten von Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern (Gangarova et al. 2025). Diese Entwicklung ist besonders relevant, weil das gesamte Beschäftigungswachstum im Pflegesektor seit 2022 auf ausländische Arbeitskräfte zurückgeht (Singer & Fleischer 2025).

Rassismus gegenüber Patientinnen und Patienten

Auch rassifizierte Patientinnen und Patienten sind in mehrfacher Hinsicht betroffen. Zum einen können ungleiche oder prekäre Lebensbedingungen die Gesundheit unmittelbar beeinträchtigen – bedingt etwa durch alltägliche Rassismuserfahrungen, prekäre Wohn- und Arbeitsverhältnisse oder schlechte Bildungschancen. Zum anderen zeigen sich direkte Benachteiligungen in der medizinischen Versorgung – im Zugang zu ihr, aber auch in der Qualität der Behandlung (Bailey et al. 2017; DeZIM 2023).

Ein Bericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors weist darauf hin, dass insbesondere Personen, die sich als Schwarz, asiatisch und/oder muslimisch identifizieren, häufig Diskriminierung erfahren (DeZIM 2023, S. 18). Die Folgen sind nicht nur sozial, sondern auch gesundheitlich gravierend: Diskriminierungserfahrungen erzeugen psychischen Stress, der wiederum mit der Entstehung verschiedener körperlicher Krankheiten in Zusammenhang stehen kann (Paradies 2006; Abate et al. 2020). Außerdem verweist der Monitor auf Benachteiligungen bei der Terminvergabe: Ein Experiment mit mehreren tausend Arztpraxen in Deutschland hat gezeigt, dass Menschen mit einem türkisch oder nigerianisch wahrgenommenen Namen im Vergleich zu Patientinnen und Patienten mit deutsch gelesenen Namen bei der Terminvergabe benachteiligt werden (DeZIM 2023, S. 133-140).

Darüber hinaus bedingt rassistische Diskriminierung, wie Betroffene mit dem Gesundheitssystem interagieren, und beeinträchtigt ihre Suche nach medizinischer Hilfe. Wiederholte Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitswesen stehen mit dem Aufschieben notwendiger medizinischer Behandlungen in Zusammenhang. Fast jede zweite rassistisch markierte Frau und jeder dritte rassistisch markierte Mann berichtet, notwendige Behandlungen aus Angst vor Diskriminierung aufzuschieben oder ganz zu vermeiden (ebd., S. 149).

Geflüchtete Menschen und rechtliche Barrieren

Besonders deutlich zeigen sich diese strukturellen Mechanismen bei geflüchteten Menschen. Doch ist darüber, wie Asylbewerberinnen und Asylbewerber ihren Zugang zu und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen erleben, bisher wenig empirisch untersucht (Razum & Bozorgmehr 2016). Allerdings konstatiert die Forschung, dass bürokratische Hürden und Restriktionen bei der Gesundheitsversorgung durch das Asylbewerberleistungsgesetz als „Prozess einer Marginalisierung, Entmachtung und sozialen Ausgrenzung“ (Bozorgmehr & Razum 2015, S. 5; eigene Übersetzung) interpretiert werden können. Hier verdichten sich strukturelle und rechtliche Ausschlüsse in besonderer Weise.

Strukturelle Diskriminierung abbauen

Um gesundheitliche Ungleichheiten nachhaltig zu verringern, bedarf es eines konsequenten Abbaus struktureller Diskriminierung. Eine gerechtere Gesundheitsversorgung und wirksame Prävention lassen sich nur erreichen, wenn neben einem verbesserten Zugang zu medizinischen Leistungen auch das Vertrauen in das Gesundheitssystem gezielt gestärkt wird. Entsprechende Maßnahmen können unter anderem rassismus- und diskriminierungskritische Ausbildungs- und Fortbildungsformate für Fachkräfte im Gesundheitswesen umfassen. Darüber hinaus sind flächendeckende, niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote zentrale Bausteine, um bestehende Zugangsbarrieren abzubauen (DeZIM 2023, S. 202-214).

Die im Januar 2026 veröffentlichte Strategie der Europäischen Union (EU) gegen Rassismus kann im Hinblick auf den Gesundheitssektor als wichtiger Schritt gesehen werden – auch, weil mehr Geld und Kampagnen aufgewendet werden sollen. Gleichzeitig wird die Strategie von zivilgesellschaftlicher Seite kritisiert, weil die Vorhaben im Gegensatz zu den letzten Jahren sehr vage gehalten wurden. Hinzu kommt, dass die enthaltenen Maßnahmen nicht bindend in Bezug auf die nationale Umsetzung und das Handeln von (den im Übrigen sehr heterogenen) Gesundheitsinstitutionen sind. Ob die Strategie tatsächlich Wirkung entfaltet, wird davon abhängen, ob die Mitgliedstaaten die angekündigten Maßnahmen verbindlich umsetzen – und ob politische Mehrheiten bereit sind, strukturelle Veränderungen im Gesundheitswesen tatsächlich anzugehen.

Autor:

Dr. Hans Vogt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Geschäftsstelle Nationaler Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) e. V.

Kontakt:
vogt(at)dezim-institut.de  

Literatur

Abate, M., Citro, M., Caputo, M., Pisanti, S. & Martinelli, R. (2020). Psychological Stress and Cancer: New Evidence of An Increasingly Strong Link. Translational medicine @ UniSa, 23, 53–57. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8370516/

Bailey, Z. D., Krieger, N., Agénor, M., Graves, J., Linos, N. & Bassett, M. T. (2017). Structural racism and health inequities in the USA: evidence and interventions. Lancet (London, England), 389(10077), 1453–1463. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)30569-X

Bozorgmehr, K. & Razum, O. (2015). Effect of Restricting Access to Health Care on Health Expenditures among Asylum-Seekers and Refugees: A Quasi-Experimental Study in Germany, 1994–2013. PLoS ONE, 10(7), e0131483. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0131483

Singer, K. & Fleischer, N. (2025). Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich. Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt, Mai 2025. Bundesagentur für Arbeit - Statistik/Arbeitsmarktberichterstattung (Hrsg.). https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Berufe/Generische-Publikationen/Altenpflege.pdf?__blob=publicationFile&v=19

Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung DeZIM e. V. (Hrsg.) (2023). Rassismus und seine Symptome. Bericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors. Berlin. https://www.rassismusmonitor.de/fileadmin/user_upload/NaDiRa/Rassismus_Symptome/Rassismus_und_seine_Symptome.pdf

Gangarova, T., Kechout, J. & Vogt, H. (2025). “I’d like five of them”: the racialization and commodification of internationally recruited nurses in the German healthcare sector. Frontiers in Sociology, 10, 1646906. https://doi.org/10.3389/fsoc.2025.1646906

Paradies Y. (2006). A systematic review of empirical research on self-reported racism and health. International journal of epidemiology, 35(4), 888–901. https://doi.org/10.1093/ije/dyl056

Razum, O. & Bozorgmehr, K. (2016). Restricted entitlements and access to health care for refugees and immigrants: The example of Germany. Global Social Policy, 16(3), 321–324. https://doi.org/10.1177/1468018116655267

Ritter, M. (2023, Dezember, 13). Herausforderungen für zugewanderte Pflegekräfte. bpb - Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/themen/migration-integration/regionalprofile/deutschland/543561/herausforderungen-fuer-zugewanderte-pflegekraefte/

Ritter, M. (2024). Rassismus und Altenpflege in Ostdeutschland. Zum »Unbehagen« in der beruflichen Zusammenarbeit mit Migrant*innen. (1. Aufl.). transcript Verlag.

Vogt, H., Piberger, P. & Lazaridou, F. B. (2025). Racism in medical education and the entanglement of contents and (con-)texts: a participative reflection on teaching materials and the everyday experiences of racialized students and physicians in Germany. Frontiers in Public Health, 13, 1436656. https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1436656


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