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Gabriela Nickl

Gesundheitsförderung für Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung – Angebote zu den Themen Früherkennungsuntersuchungen und Wechseljahre

Ein Erfahrungsbericht aus dem Frauengesundheitsprojekt MEDEA International

Schwerpunktthemen: Frauengesundheit, Krebs, Prävention

Das Frauen- und Mädchengesundheitszentrum MEDEA e. V. arbeitet seit mittlerweile 30 Jahren für und mit Frauen* in Dresden und Umgebung. MEDEA verwendet den Asterisk*, weil mit den Angeboten des Frauen- und Mädchengesundheitszentrums alle Menschen angesprochen werden sollen, die sich als Frauen bzw. Mädchen fühlen. Im weiteren Text wird auf die Verwendung des Asterisks* verzichtet.

Seit 2010 ist der Fachbereich MEDEA International des Frauen- und Mädchengesundheitszentrums MEDEA e. V. auf Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung spezialisiert. Diese sehr heterogene Gruppe zeichnet sich u. a. durch Unterschiede im Bildungsstand, in der sozialen Lage im Herkunftsland sowie hinsichtlich der Migrations- und Fluchtgründe aus. Die Frauen stammen aus den verschiedensten Herkunftsländern, hauptsächlich aus Afghanistan, dem Iran, Syrien, dem Irak, kurdischen Gebieten, der Ukraine, Somalia, Eritrea und Venezuela. MEDEA International startete mit Workshop- und Beratungsangeboten in verschiedenen Übergangswohnheimen. Seit 2016 gibt es eine Beratungsstelle im Plattenbaugebiet Dresden-Gorbitz. In den Räumen bietet ein multiprofessionelles Team, bestehend aus einer Psychologin, einer Projektmitarbeiterin mit Migrationserfahrung und einer Sozialarbeiterin, Beratung für Frauen sowie Workshops zu gesundheitlichen Themen an.

Das Ziel von MEDEA International ist es, den Selbstwert der Frauen zu stärken, ihre Selbstwirksamkeit zu fördern und ihre Gesundheitskompetenz zu verbessern.

Angebote zum Thema Früherkennung

Durch das vom GKV-Bündnis geförderte Projekt „Gesundheitsförderung für Frauen* mit Migrations- und Fluchterfahrung“ (2022–2025) wurden u. a. Angebote zum Thema Früherkennungsuntersuchungen für Frauen entwickelt und in Kooperationseinrichtungen im gesamten Dresdner Stadtgebiet durchgeführt. Ausgangspunkt für dieses Projekt waren Anfragen in der Beratung von Frauen zu den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) in der Gynäkologie.

So ergaben die Beratungsgespräche, dass immer wieder Missverständnisse aufkamen, was im Bereich der Früherkennung eine Kassenleistung darstellt und welche Untersuchungen als kostenpflichtige Zusatzleistung ergänzend in Anspruch genommen werden können und welchem Zweck die Zusatzuntersuchungen dienen. Rückmeldungen von Frauen und Praxispersonal sowie die Erfahrungen des Teams von MEDEA International bei der Begleitung von Frauen in medizinische Einrichtungen deuten darauf hin, dass die Hintergründe vielfältig sein können. Beispielsweise können Missverständnisse im Informations- und Aufklärungsgespräch durch verschiedene Wissensstände das deutsche Versorgungssystem betreffend, Sprachbarrieren und auch begrenzte zeitliche und personelle Ressourcen im Praxisalltag, eine umfassende Information und Beratung der Frauen erschweren.

Erfahrungen aus den Workshops

Auf Grundlage der beschriebenen Erfahrungen wurde ein Workshopangebot zum Thema Früherkennungsuntersuchungen entwickelt. Bislang wurden in 18 Workshops insgesamt 133 Frauen erreicht. Die Workshops werden an den Alltag der Frauen angepasst. Sie finden von Montag bis Freitag vor- oder nachmittags statt und dauern in der Regel 1,5 Stunden. Die Frauen werden von MEDEA und den Kooperationseinrichtungen direkt angesprochen, persönlich oder über Chatgruppen, und über Mund-zu-Mund-Propaganda auf die Workshops aufmerksam gemacht. Über öffentliche Bekanntmachungen der Angebote ohne direkte Ansprache werden die Frauen kaum erreicht. In den Workshops werden alle kassenfinanzierten Früherkennungsuntersuchungen und deren Zugangsvoraussetzungen vorgestellt. Außerdem wird über die Inhalte der einzelnen Untersuchungen aufgeklärt. Auch (vermeintlich) sensible Themen wie Sexualität, Verhütung, Untersuchungen durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen und Selbstuntersuchung der Brust werden von den Workshopleiterinnen offen mit den Teilnehmerinnen besprochen. Viele der teilnehmenden Frauen erhalten in den Workshops erstmals Informationen zu Früherkennungsuntersuchungen. Die gute Nachfrage zu den Workshops bestätigt den hohen Informationsbedarf der Frauen. Die Reaktionen der Teilnehmerinnen fallen durchweg positiv aus. Dies macht sich auch in den Workshops bemerkbar. Die Frauen agieren sehr offen untereinander, fragen nach und sind an gegenseitigem Austausch interessiert.

Informationsmaterialien

Parallel zu den Workshops wurden deren Inhalte in einer Broschüre zum Thema Gesundheitskurse und Früherkennungsuntersuchungen in Einfacher Sprache aufbereitet. Die Broschüre steht als Download unter folgendem Link bereit: https://medea-dresden.de/wp-content/uploads/2025/11/Nachdruck_Broschuere_MIA_Praevention.pdf. Die Infobroschüre wird von Fachkräften nachgefragt. Während des Workshops werden die erstellten Informationsmaterialien an die Teilnehmerinnen verteilt. Erfahrungen aus dem Projekt zeigen, dass diese Kombination aus Workshop und Infomaterial die beste nachhaltige Wirkung hat. Viele Frauen berichten, dass sie sich aufgrund der „Papierfülle“ in Deutschland überfordert fühlen. Ausliegende Infomaterialien werden daher kaum wahrgenommen. Zudem sind viele Infomaterialien unübersichtlich und sprachlich schwer verständlich aufbereitet. Viele geflüchtete Frauen, mit denen MEDEA International arbeitet, haben nur wenig Schulbildung in ihren Herkunftsländern erhalten. Daher sind viele Texte für sie zu hochschwellig und damit eine weitere Herausforderung, die es im Migrationsprozess zu bewältigen gilt. Außerdem werden Infomaterialien oft nur in den gebräuchlichsten Sprachen, wie Arabisch, Farsi, Ukrainisch, Russisch oder Englisch übersetzt. Damit kann es indirekt zu weiteren Ausgrenzungen für Menschen anderer Herkunftssprachen kommen.

Angebote zu Wechseljahren

Das Thema Wechseljahre ist seit Jahrzehnten Beratungsbestandteil der bundesweit arbeitenden Frauengesundheitszentren. In den vergangenen Jahren wurde das Thema in öffentlichen Diskursen zunehmend sichtbar: Wechseljahre sind kein Tabu mehr und Frauen finden zahlreiche Informationen im Internet. Um diese Informationen zu bündeln und zielgruppengerecht aufbereitet zu vermitteln, hat MEDEA International ein Workshopangebot zum Thema Wechseljahre entwickelt. Wie auch die Workshops zur Früherkennung werden diese Workshops von Montag bis Freitag vor- oder nachmittags angeboten und dauern jeweils 1,5 Stunden. Die Frauen werden direkt auf das Angebot aufmerksam gemacht. Inhalte des Workshops unter dem Motto „Wechseljahre sind keine Krankheit“ sind u. a. die verschiedenen Veränderungen in dieser Lebensphase und mögliche Symptome wie z. B. Hitzewallungen, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen. Die Frauen können sich zu ihren Erfahrungen austauschen und bekommen alltagspraktische Tipps zu Ernährung, Bewegung, Entspannung und Beckenbodentraining. Auch pflanzliche Mittel zur Linderung von Beschwerden sind ein Thema. Der Workshop soll Frauen helfen, diese Phase als Chance zu sehen, und sie dahingehend stärken, dass sie nicht nur „funktionieren“ und für andere da sein müssen.

Erfahrungen aus den Workshops

Sich Zeit für sich nehmen, ist für viele Frauen neu und immer wieder ein Thema: in den Workshops, aber auch in Beratungen und offenen Gruppenangeboten (Frauenfrühstück). Manche Frauen in den Workshops fragen auch nach „schnellen Lösungen“: Kann ich nicht einfach Tabletten oder Hormone nehmen, damit die Symptome verschwinden? Die Rückmeldungen aus den Workshops sind bislang sehr positiv. Die Teilnehmerinnen erleben die Informationen und den offenen und lebendigen Austausch in der Gruppe als sehr hilfreich und empowernd. Leider konnte der Workshop in den letzten vier Jahren nur dreimal bei Kooperationseinrichtungen angeboten werden. Mit dem Angebot wurden bisher 21 Frauen erreicht. Insgesamt wird der Workshop nur selten nachgefragt.

Grundsätzlich zeigen die Erfahrungen von MEDEA International, dass Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung zu den verschiedenen Frauengesundheitsthemen nicht so leicht zu erreichen sind. Es braucht immer wieder eine direkte Ansprache und Einladung. Zum einen gibt es existenziellere Themen, wie die Sicherung des Aufenthaltes, Sorgen um die Situation im Herkunftsland, Jobsuche oder die Suche nach einer Wohnung. Zum anderen stehen für viele Frauen die Familie und die Kinder an erster Stelle. Erst danach kümmern sie sich um sich selbst und ihre gesundheitliche Situation. Der Alltag ist mit vielen Terminen und Anforderungen u. a. durch Behörden, Arbeit, Schule und Kinderbetreuung sehr herausfordernd. Die Frauen müssen ihre Termine und Freizeiten koordinieren und priorisieren. Um Frauen zum Thema Wechseljahre, aber auch zu anderen Themen zu erreichen, ist es hilfreich, wenn das Team von MEDEA International in bereits bestehende Frauengruppen eingeladen wird. Die Zusammenarbeit mit den Kooperationseinrichtungen von MEDEA International ist hierfür besonders wichtig. Dadurch erhält MEDEA einen „Vertrauensvorschuss“ und erleichtert den Zugang zu den Frauen.

Gesundheitskompetenz von Frauen stärken

Handlungsansätze in der Gesundheitsförderung sind Verhaltens- aber auch Verhältnisänderungen. Für eine nachhaltigere Verbesserung der Gesundheitskompetenz von Frauen ist es aus der Sicht von MEDEA International wichtig, u. a. öffentliche Einrichtungen und Institutionen für den Einsatz Einfacher Sprache zu sensibilisieren. So sind z. B. die gesetzlich vorgeschriebenen Informationen für Patientinnen und Patienten zu anstehenden Früherkennungsuntersuchungen für Menschen mit einer Sprachbarriere nur sehr schwer zu verstehen. Hier kann der Einsatz der Einfachen Sprache helfen, Frauen und auch Männer zu informieren, zur Teilnahme zu motivieren und bei einer Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Neben der Bereitstellung von Gesundheitsinformationen bleibt die Aufgabe von MEDEA International weiterhin, mit den Frauen zu ihrer Rolle in der Familie, der Community und der Gesellschaft im Austausch zu bleiben, sie über ihre Rechte zu informieren und sie dahingehend zu stärken, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Autorin

Gabriela Nickl ist Sozialarbeiterin und Mitarbeiterin im Frauengesundheitsprojekt MEDEA International (MIA) des Frauen- und Mädchengesundheitszentrums MEDEA e. V.

Kontakt:
nickl(at)medea-dresden.de


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