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Merve Mutluhan, Laura Schödermaier

Beratung an der Schnittstelle Migration, Flucht und Behinderung – Einblicke und Impulse aus der Praxis

Schwerpunktthemen: Behinderung, Geflüchtete, Gesundheitsversorgung

MINA – Leben in Vielfalt e. V. ist eine Berliner Beratungs- und Kontaktstelle für Menschen mit Behinderung, die seit 2012 insbesondere Ratsuchende mit Migrations- oder Fluchterfahrung unterstützt. Als Träger einer bundesweit tätigen EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) und weiterer Beratungsprojekte bietet der Verein niedrigschwellige Beratung und Wissensvermittlung zu Bildung, Gesundheit, Arbeit und sozialer Teilhabe an und begleitet Menschen mit Behinderung sowie deren Angehörige bei Anträgen und im Kontakt mit Behörden. Daneben organisiert MINA mehrsprachige Projekte, z. B. zur Arbeitsmarktintegration geflüchteter Menschen mit Behinderung oder Fortbildungen für Eltern autistischer Kinder. Freizeitangebote und Selbsthilfegruppen bei MINA fördern gegenseitigen Austausch und Empowerment.

Der folgende Artikel beleuchtet, wie Migration und Flucht die Lebenswelten von Menschen mit Behinderung prägen, welche sozialen und strukturellen Barrieren bestehen und welche Angebote notwendig sind, um gleichberechtigte Teilhabe zu ermöglichen. Grundlage sind die langjährigen Praxiserfahrungen aus der Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung.

Migration, Flucht und Behinderung – vielfältige Lebenslagen an der Schnittstelle

Zugewanderte Menschen mit Behinderung sind eine äußerst heterogene Gruppe. Verschiedene Arten von Behinderungen treffen auf unterschiedliche Zuwanderungsmotive – von Arbeitsmigration über Studium bis hin zu Familiennachzug oder ehemaligen „Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern“ und ihren Nachkommen, deren Bedarfe an Pflege und Unterstützung mit zunehmendem Alter steigen (vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2021, S. 63).

Eine Hauptgruppe der Ratsuchenden bildeten über die letzten Jahre Menschen mit Fluchterfahrung. Viele Menschen flüchteten aufgrund der prekären medizinischen Versorgung in den Herkunftsländern oder Drittstaaten. Andere flohen mit einer bestehenden Behinderung aus Krisen- und Kriegsgebieten oder vor politischer Verfolgung. Behinderungen können auch durch Unterversorgung oder traumatische Erfahrungen während der Flucht entstehen (MINA – Leben in Vielfalt e. V., 2023, S. 6 f.). Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland 10-15 % der geflüchteten Menschen mit einer Behinderung leben (Handicap International e. V., 2025).

Wie der letzte Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen zeigt, sind diese überdurchschnittlich von Armut und fehlender sozialer Teilhabe betroffen – bei Migrantinnen und Migranten verstärkt sich diese Tendenz deutlich (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2021, S. 114, 281). Auch in der Beratungsstelle sind Armut, fehlende Arbeitsmarktinklusion, Vereinbarkeitsprobleme von Pflege und Beruf, Diskriminierungserfahrungen sowie der Mangel an sozialen Kontakten häufige Themen. Zugewanderten Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen fehlt es oft an einem erweiterten sozialen Netzwerk, um sich finanziell oder mental zu entlasten (Kohan, 2012, S. 279 f.). Auch das Erlernen der deutschen Sprache gestaltet sich unter diesen Bedingungen oft schwer. Geflüchtete leben häufig jahrelang in beengten Gemeinschaftsunterkünften mit unsicherer Zukunfts- und Aufenthaltsperspektive, wodurch soziale Teilhabe und Rehabilitationsprozesse ausgebremst werden (Deutsches Rotes Kreuz, 2022, S. 71). Umzüge oder Umverteilungen unterbrechen häufig medizinische Versorgung oder erfolgreiche Inklusion in Kita, Schule oder Beschäftigung. 

Zugangswege und Themen in der Beratung

Ratsuchende finden über Flyer, Websites oder soziale Medien, vor allem aber über Weiterempfehlungen anderer Ratsuchender zur Beratung in die EUTB. Auch bietet MINA aufsuchende Beratung in Geflüchtetenunterkünften und Familienzentren an, was Zugänge erleichtern kann.

Mehrsprachige, niedrigschwellige und ganzheitliche Beratung ist entscheidend, um unterschiedliche Bedarfe zu erreichen (vgl. Boga & Westphal, 2023). In allen Projekten von MINA beraten wir deshalb gezielt in verschiedenen Sprachen und vor dem Hintergrund eigener Migrations- oder Behinderungserfahrungen. Da die Beratung oft in Familienkontexten stattfindet, versuchen wir, vielfaltssensibel Familiensysteme zu stärken, indem wir auch die Bedarfe der Angehörigen adressieren und gleichzeitig für Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung eintreten. 

Typische Beratungsthemen in unserer EUTB umfassen Unterstützung bei Behördenkontakten, Antragsverfahren, Therapiesuche, Pflege, Assistenzen, Hilfsmittel, barrierefreie Sprach- und Integrationskurse, Eingliederungshilfe oder den Schwerbehindertenausweis. Auch die Suche nach bedarfsgerechten Kitas, Schulen und Wohnraum spielt eine große Rolle. Aufenthalts- und sozialrechtliche Fragen durchziehen die Beratungsarbeit an der Schnittstelle. Da Asyl- und Aufenthaltsrecht oft den Zugang zu Teilhabe- und Sozialleistungen bestimmen, müssen Beratende in all diesen Bereichen über hohe Expertise verfügen und zwischen Institutionen und Hilfenetzwerken lotsen, koordinieren und priorisieren (vgl. KSL.NRW, o.J.). Bei Bedarf begleiten wir Ratsuchende zu Behörden, Kitas oder Schulen, um Kontakte einzuleiten oder gezielt ihre Rechte zu stärken. Das Hauptziel der Beratung ist gleichsam, Ratsuchende bestmöglich über die komplexen behördlichen Verfahren und ihre Rechte aufzuklären, um zur Selbstvertretung und Selbstständigkeit zu befähigen. 

Strukturelle Barrieren

Menschen mit Behinderung und Migrationserfahrung bewegen sich zwischen zahlreichen Institutionen – darunter das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Landesamt für Einwanderung, die Bundesagentur für Arbeit, Schulbehörden, Jugendhilfe, Sozialämter, Versorgungsamt, Eingliederungshilfe oder Krankenkassen. Diese agieren dabei oft versäult: Wissen und Verständnis an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung oder zu weiteren Diversitätskategorien fehlen. Auch Beratungsangebote sind häufig nicht intersektionell ausgerichtet. Zum Beispiel mangelt es in Migrationsberatungen an Barrierefreiheit oder im Bereich der Behinderung und Teilhabe an mehrsprachigen Zugängen (vgl. Boga & Westphal, 2023).

Zudem bestehen rechtliche Barrieren: Eingliederungshilfe, die für Menschen mit Behinderungen z. B. wichtige Assistenzleistungen sicherstellt, kann nach § 100 Sozialgesetzbuch (SGB) IX für Menschen ohne dauerhaften Aufenthaltstitel nur im Ermessensfall gewährt werden; Asylsuchende sind weitgehend ausgeschlossen und müssen benötigte Teilhabeleistungen über das Asylbewerberleistungsgesetz beantragen (vgl. Gag & Weiser, 2024, S. 48 ff.). Auch wechselt bei zugewanderten und geflüchteten Personen die Anspruchsgrundlage für Pflegeleistungen innerhalb der ersten Aufenthaltsjahre mehrfach (vgl. ebd., S. 92 f.). Oft decken gewährte Leistungen den Bedarf nicht ab.

Eine der größten Barrieren in der Beratungspraxis ist das Bewältigen zahlreicher, langwieriger und zermürbender bürokratischer Prozesse, kombiniert mit komplexen rechtlichen Regelungen und Zuständigkeitsunklarheiten (vgl. Boga & Westphal, 2023). Dies befremdet viele neu zugewanderte Personen, da die Digitalisierung in anderen Staaten oft wesentlich weiter fortgeschritten ist, während die Komplexität an Leistungen geringer ist. Ausbleibende oder unrechtmäßige Entscheidungen seitens der Leistungsträger, Behörden oder Institutionen verhindern Teilhabe und diskriminieren Menschen mit Behinderung. Beispiele aus unserer Praxis sind die fehlende Umsetzung inklusiver und regelmäßiger Beschulung von Kindern oder häufige Ablehnungen von Assistenzen oder Nachteilsausgleichen. 

Ohne fortgeschrittene Deutsch- und Rechtskenntnisse ist die Möglichkeit erschwert, sich umfassend zu informieren und sich ggf. gegen diskriminierende Entscheidungen zur Wehr zu setzen (Kruse, 2020, S. 7). Ableismus und Rassismus verstärken diese Machtungleichgewichte (vgl. Wansing & Westphal, 2014, S. 38 f.). Angesichts dieser Barrieren sind jedoch nicht nur mehrsprachige Beratung und verlässliche Unterstützung durch Fachkräfte wichtig, sondern auch Selbsthilfestrukturen. Hier können sich Menschen auf Augenhöhe begegnen, gesellschaftlich sichtbarer werden und dazu beitragen, strukturelle Barrieren zu beseitigen. 

Welche Angebote braucht es?

Positive Beispiele zeigen, dass spezialisierte, mehrsprachige Beratungsstellen Barrieren abbauen können. Auch richten sich Organisationen zunehmend intersektional aus und bilden lokale oder bundesweite Netzwerke (vgl. MINA – Leben in Vielfalt e. V., 2023, S. 26 f.). Auch die EUTB-Beratungsstellen erhalten mittlerweile regelmäßige Fortbildungen zu den Schwerpunktthemen Migration und Diversität. Trotz positiver Impulse ist es zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Migrationserfahrung und Behinderung noch ein langer Weg. Notwendig sind unter anderem:

  • Intersektional arbeitende, geschulte Fachkräfte in Behörden und Beratungsstellen, die Diskriminierung erkennen und Barrieren abbauen 
  • Niederschwellige, digitale und mobile Beratungsformate, die Zugänge flexibel und flächendeckend ermöglichen
  • Netzwerke und Kooperationen zwischen medizinischen und sozialen Diensten, Beratungsstellen sowie Selbstvertreterinnen und Selbstvertretern
  • Mehrsprachige Informationen und Beratungen, Materialien in Fremdsprachen, in Einfacher oder Leichter Sprache und finanzierte Gebärden- oder Fremdsprachmittlung bei Beratungen
  • Barrierefreie Strukturen und Kommunikation in Behörden und Organisationen
  • Verlässliche, langfristige und ausreichend finanzierte Angebote, die Stabilität schaffen und Fachwissen und Beziehungen erhalten können 
  • Peer-Beratung und Selbsthilfe, um die Selbstwirksamkeit und Empowerment zu stärken
  • Partizipation und Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse, um die Ziele der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) endlich konsequent umzusetzen 

Literatur

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (2021). Dritter Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen: Teilhabe – Beeinträchtigung – Behinderung. https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a125-21-teilhabebericht.pdf?__blob=publicationFile&v=7 

Boga, O. & Westphal, M. (2023, 14. September). Barrieren der gesellschaftlichen Teilhabe im Schnittfeld Behinderung und Migration/Flucht. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/themen/inklusion-teilhabe/behinderungen/539996/barrieren-der-gesellschaftlichen-teilhabe-im-schnittfeld-behinderung-und-migration-flucht/ 

Deutsches Rotes Kreuz (DRK) (2022). Ungesehen?! Geflüchtete Menschen mit Behinderungen in Deutschland: Ergebnisse der Bedarfserhebung. https://drk-wohlfahrt.de/fileadmin/Publikationen/DRK_Wohlfahrt_Ungesehen_Bericht_interaktiv.pdf

Gag, M. & Weiser, B. (2024). Leitfaden zur Beratung von Menschen mit einer Behinderung im Kontext von Migration und Flucht (4. überarb. Aufl.). Hamburg & Osnabrück: passage gGmbH – Migration und Internationale Zusammenarbeit & Caritasverband für die Diözese Osnabrück. https://www.asyl.net/fileadmin/user_upload/publikationen/Arbeitshilfen/2024_Leitfaden_Menschen_Behinderung_4Aufl.pdf

Handicap International e. V. (HI e. V.) (2025, 15. Mai). Schutz und Inklusion geflüchteter Menschen mit Behinderung sichern und stärken! https://www.handicap-international.de/de/advocacy-botschaften/flucht 

Kohan, D. (2012). Migration und Behinderung: eine doppelte Belastung? Eine empirische Studie zu jüdischen Kontingentflüchtlingen mit einem geistig behinderten Familienmitglied. 

Kruse, K. (2023). Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es. Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e. V. (bvkm). https://bvkm.de/ratgeber/mein-kind-ist-behindert-diese-hilfen-gibt-es/

KSL.NRW. (o.J.). Flucht und Migration. https://www.ksl-nrw.de/de/themen/183/flucht-und-migration#huerden

MINA – Leben in Vielfalt e. V. (2023). Flucht, Migration und Behinderung – Wege zu Teilhabe und Engagement. https://mina-vielfalt.de/media/pages/oeffentlichkeitsarbeit/veroeffentlichungen/1b38e1a104-1723732863/handreichung_deutsch_2023_web_verlinkt.pdf

Wansing, G. & Westphal, M. (2014). Migration und Behinderung. Kategorien und theoretische Perspektiven. In G. Wansing & M. Westphal (Hrsg.), Behinderung und Migration: Inklusion, Diversität, Intersektionalität (S. 17–47)

Autorinnen:

Laura Schödermaier und Merve Mutluhan sind Beraterinnen der EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) im Verein MINA—Leben in Vielfalt e. V. Weitere Informationen zum Projekt: https://mina-berlin.eu/.

Kontakt:
l.schoedermaier(at)mina-berlin.de
m.mutluhan(at)mina-berlin.de


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