Hintergrund
Psychosoziale Arbeitsbelastungen wie hoher Zeitdruck, geringe Unterstützung oder lange Arbeitszeiten erhöhen das Risiko für verschiedene Erkrankungen. Seit 2013 setzt Deutschland verstärkt auf rechtliche, politische und institutionelle Maßnahmen, um diese Risiken zu verringern. Während frühere Studien zeigen, dass Betriebe psychosoziale Belastungen zunehmend in Gefährdungsbeurteilungen berücksichtigen, bleibt offen, ob dies auch zu einer breiteren Umsetzung konkreter Präventionsmaßnahmen geführt hat.
Methodik
Wir nutzen kombinierte Daten aus Deutschland aus drei Wellen der Europäischen Unternehmenserhebung zu neuen und aufkommenden Risiken (ESENER 2014, 2019, 2024). Im Fokus stehen die Verbreitung von sieben Maßnahmen zur Prävention psychosozialer Risiken und deren zeitliche Entwicklung zwischen 2014 und 2024 sowie mögliche Unterschiede nach Betriebsgröße und Branche. Die Analyse erfolgt anhand deskriptiver Auswertungen und multivariabler Regressionsmodelle.
Ergebnisse
Größere Betriebe und Unternehmen im Bildungs‑, Gesundheits- und Sozialwesen setzen deutlich häufiger Maßnahmen zur Prävention psychosozialer Risiken um als kleine Betriebe und Organisationen in anderen Branchen. Verglichen mit 2014 zeigen sich 2019 und 2024 insgesamt positive Entwicklungen, insbesondere bei Stressprävention, Konfliktlösungsverfahren und organisatorischen Anpassungen. Die Analysen verdeutlichen zudem, dass die zeitlichen Entwicklungen nach Betriebsgröße und Branche variieren.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse weisen auf eine Verbesserung der betrieblichen Präventionspraxis in Deutschland hin, insbesondere im Bereich Stressprävention und struktureller Maßnahmen zur Verringerung psychosozialer Belastungen. Gleichzeitig bestehen Defizite in kleinen Betrieben und in Bezug auf einzelne Maßnahmen.