Zertifizierte Bewegungskurse nach § 20 Sozialgesetzbuch V (SGB V) sind etablierte Maßnahmen zur verhaltensbezogenen Gesundheitsförderung. Ziel der vorliegenden Studie war es, die Zusammensetzung der Teilnehmenden solcher Präventionsangebote hinsichtlich demografischer, gesundheitlicher und psychologischer Faktoren zu untersuchen und mögliche Subgruppen mit spezifischen Belastungen zu identifizieren.
In einer explorativen Querschnittsuntersuchung wurden 87 Teilnehmende zertifizierter Bewegungskurse eines Vereins in Frankfurt am Main mittels standardisierter Fragebögen zu soziodemografischen Merkmalen, Schmerz, Resilienz, Stress, Depression, Selbstwirksamkeit und Lebensqualität befragt. 26 Personen nahmen zusätzlich an einer Längsschnittbefragung nach 3 Monaten teil.
Die Teilnehmenden waren überwiegend weiblich (85 %) und im Durchschnitt 57,6 Jahre alt. 87 % berichteten Schmerzen, mehr als die Hälfte davon länger als 5 Jahre. Die psychischen Belastungen (v. a. Stress) variierten, wobei besonders Personen mittleren Alters überdurchschnittlich häufig von niedriger Resilienz und geringer Selbstwirksamkeit berichteten. Der soziale Austausch wurde neben Eigenmotivation als wichtiges Teilnahmemotiv genannt. Subgruppen mit erhöhter Stresssensitivität und geringer Resilienz zeigten eine eingeschränkte Lebensqualität. Die Längsschnittanalyse ergab keine signifikanten Veränderungen.
Bewegungskurse erreichen derzeit vorwiegend gesundheitlich motivierte und resiliente Personen. Für belastete Gruppen, insbesondere Personen mit psychosozialer Vulnerabilität, sind gezielte Ansprache und kuratierte Kursangebote notwendig, um gesundheitliche Chancengleichheit zu fördern.