Suizidversuche sind Ausdruck einer schweren Krise und können weitreichende gesundheitliche und soziale Folgen haben – sowohl für die betroffenen Menschen als auch für Angehörige und andere nahestehende Personen. Gleichzeitig gehören sie zu den wichtigsten Risikofaktoren für einen späteren Suizid. Während Suizide in Deutschland in der Todesursachenstatistik erfasst werden, gibt es bislang keine bundesweit einheitliche und regelmäßige Erhebung von Suizidversuchen. Deshalb ist nur unzureichend bekannt, wie häufig Suizidversuche vorkommen, wie sich ihre Zahl entwickelt, welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind und unter welchen Umständen sie stattfinden. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Suizidversuche systematisch zu erfassen, um Präventionsmaßnahmen gezielter planen und verbessern zu können.
Vor diesem Hintergrund führt das Robert Koch-Institut (RKI) gemeinsam mit dem Verbundpartner Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OvGU) vom 01. Juli 2025 bis 31. Juni 2028 das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Projekt „Systematische Erhebung von Suizidversuchen in Deutschland (SESiD)“ durch. Ziel des Projekts ist es, zu untersuchen, wie Suizidversuche in Deutschland mithilfe verschiedener bereits vorhandener Datenquellen bundesweit strukturiert, verlässlich und kontinuierlich erfasst werden können. Dazu gehören Befragungen der Bevölkerung im RKI-Panel „Gesundheit in Deutschland“, Angaben aus Notaufnahmen, Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung und der Krankenhäuser sowie Daten der Polizei aus den Bundesländern.
Durch die Betrachtung verschiedener Datenquellen lässt sich beurteilen, welche Informationen sie jeweils liefern können und wo ihre Grenzen liegen. So soll ein möglichst umfassendes Bild von Suizidversuchen in Deutschland entstehen. Die Projektergebnisse können dazu beitragen, besonders betroffene Bevölkerungsgruppen und Präventionsbedarfe frühzeitig zu erkennen, vorhandene Mittel gezielter einzusetzen und Maßnahmen zur Suizidprävention besser zu planen und zu bewerten.