Wenn der Körper ein einziger Schmerz ist, sie bei jeder Alltagstätigkeit auf die Hilfe anderer angewiesen sind, sich einsam fühlen und keine Lebensfreude mehr spüren, kann es sein, dass ältere pflegebedürftige Menschen den Wunsch äußern, sterben zu dürfen. Oftmals wenden sie sich dann an eine Person, zu der sie aufgrund einer längeren Pflegebeziehung Vertrauen haben: die Pflegefachperson.
Für Pflegende ist dies eine Situation, die fachlich, ethisch und menschlich gleichermaßen herausfordernd ist. Sie müssen zuhören, den Wunsch ernst nehmen und gleichzeitig ihrer Verantwortung zur Suizidprävention gerecht werden. Wie dies gelingen kann, zeigt der Sammelband „Suizidprävention in der Pflege. Verantwortung und Rolle der Pflegefachpersonen“, der aus einem Forschungsprojekt der Hochschule Esslingen hervorgegangen ist.
Das Forschungsprojekt „Anfragen nach Suizidassistenz älterer Menschen in der stationären und ambulanten Langzeitpflege – pflegeprofessioneller Umgang und Suizidprävention (Attention)“ wird vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) gefördert. Ziel des Projekts ist es, wissenschaftlich fundierte Leitlinien für Pflegefachpersonen zu entwickeln, die dabei unterstützen sollen, professionell mit Todeswünschen und Anfragen nach Suizidassistenz umzugehen, Suizidalität frühzeitig zu erkennen und suizidpräventiv zu handeln.
Im Mittelpunkt des Sammelbandes stehen die pflegebedürftigen Menschen und die professionelle Verantwortung der Pflegefachpersonen im Rahmen der Suizidprävention. Die Beiträge zeigen konkrete Grundlagen für eine professionelle Gesprächsführung und die Umsetzung von Entlastungs- und Unterstützungsangeboten in der Pflegepraxis auf.
Das Buch richtet sich an Pflegefachpersonen, Leitungskräfte, Lehrende und Studierende sowie an alle, die sich mit ethischen Fragen in der Langzeitpflege beschäftigen. Zugleich leistet es einen Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Suizidpräventionsstrategie der Bundesregierung, es kann einen Rahmen zur Umsetzung des ausstehenden Suizidpräventionsgesetzes sein und schließt eine wichtige Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und pflegerischer Praxis.