Hintergrund
Geschlechtsspezifische Unterschiede im jugendlichen Umgang mit psychoaktiven Substanzen und suchtgefährdenden Verhaltensweisen sind gut dokumentiert. Jugendliche jenseits des binären Geschlechtersystems werden in epidemiologischen Studien jedoch trotz zunehmender Erhebung entsprechender Angaben häufig nicht gesondert analysiert. Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, geschlechtsspezifische Unterschiede im Risikoverhalten, im mentalen Wohlbefinden und im Belastungserleben von Jugendlichen unter Einbeziehung nicht-binärer Jugendlicher zu beschreiben.
Methoden
Die Analysen basieren auf Daten der „SCHULBUS-Studie“ aus den Erhebungsjahren 2021 und 2024. Untersucht wurden Angaben von 13- bis 18-jährigen Schülerinnen und Schüler allgemeinbildender und beruflicher Schulen in Hamburg und Bremen einschließlich Bremerhaven. Erfasst wurden problematischer Substanzkonsum, nicht-substanzbezogenes suchtgefährdendes Verhalten, selbstkritische Körperwahrnehmung, Freizeitverhalten, mentales Wohlbefinden sowie subjektiv wahrgenommene Belastungen im Kontext gesellschaftlicher Krisen. Die Auswertungen erfolgten deskriptiv sowie mittels binär-logistischer Regressionsmodelle unter Adjustierung für das Alter und Erhebungsjahr.
Ergebnisse
Zentrale Unterschiede zeigten sich weniger zwischen männlichen und weiblichen als vielmehr zwischen binärgeschlechtlichen und nicht-binären Jugendlichen. Nicht-binäre Jugendliche wiesen insbesondere beim problematischen Substanzkonsum, bei nicht-substanzbezogenen suchtgefährdenden Verhaltensweisen sowie beim mentalen Wohlbefinden deutlich ungünstigere Ausprägungen auf.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse sprechen für eine systematische Berücksichtigung nicht-binärer Jugendlicher in epidemiologischen Studien und für eine Weiterentwicklung geschlechtssensibler Präventionsansätze. Dies ist insbesondere für Public-Health-Strategien, Prävention, Versorgung und evidenzbasierte drogenpolitische Entscheidungsprozesse von hoher Relevanz auf nationaler und kommunaler Ebene.