Hintergrund
Einsamkeit stellt ein gesundheitliches Risiko für alle Altersgruppen dar. Sie ist mit körperlichen Erkrankungen (z. B. kardiovaskuläre Erkrankungen) sowie psychischen Störungen (z. B. Depressionen) assoziiert und wird zunehmend als gesellschaftliches Problem adressiert. Zur Prävention ist die Identifikation von Einflussfaktoren notwendig. Körperliche Aktivität gilt als potenziell modifizierbarer Schutzfaktor. Da sowohl körperliche Aktivität als auch Einsamkeit im Alltag variieren, wird ein dynamischer Ansatz gewählt. Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Einsamkeitserleben im Alltagsverlauf sowie potenzielle Moderatoren zu analysieren.
Methode
Es wurde ein ambulantes Assessment mit 49 Teilnehmenden durchgeführt. An vier aufeinanderfolgenden Wochentagen erfolgten vier tägliche Befragungen per Smartphone-App. Erfasst wurden das momentane Einsamkeitserleben, Umfang der körperlichen Aktivität in den vier Stunden zuvor, der soziale Kontext sowie das affektive Erleben der Aktivität. Die Daten wurden mittels hierarchischer linearer Modelle analysiert.
Ergebnisse
Ein höherer Umfang körperlicher Aktivität war mit einem geringeren nachfolgenden Einsamkeitserleben assoziiert. Unabhängig vom Aktivitätsumfang zeigte sich zudem, dass körperliche Aktivität, die gemeinsam mit anderen ausgeübt wurde und positiv erlebt wurde, mit geringerem Einsamkeitserleben einherging. Interaktionseffekte wurden nicht beobachtet.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse sprechen für einen potenziell protektiven Effekt körperlicher Aktivität auf Einsamkeit. Soziale Aspekte und positives Erleben von körperlicher Aktivität scheinen bedeutsam zu sein. Präventionsmaßnahmen sollten daher stärker auf sozial eingebettete (d. h. in Gemeinschaft mit anderen Personen bzw. in Gruppen ausgeführte) und positiv erlebte körperliche Aktivität ausgerichtet sein.