Die Geburt des ersten Kindes verändert alles: den Alltag, die Rollen, die Erwartungen. Wann und wie sich dieser Wandel auf das Wohlbefinden von Müttern auswirkt, war bislang kaum erforscht. Ein Forschungsteam der Universitäten Greifswald und Tilburg hat diesen Übergang im Projekt „Transition to Parenthood: Individual Variability in Well-Being“ nun genauer untersucht – von der Schwangerschaft bis nach der Geburt – und liefert ein neues, differenziertes Bild des Mutterwerdens.
Für die Untersuchung begleiteten die Forschenden 161 niederländische Frauen im Alter zwischen 22 und 42 Jahren, die zum ersten Mal Mutter wurden. Über einen Zeitraum von zehn Monaten beurteilten die Teilnehmerinnen in drei Messphasen Stimmung, Sinnempfinden und ihre Zufriedenheit mit dem Leben sowie der Partnerschaft.
Das Ergebnis zeigt: Mutterwerden ist kein eindeutiges Plus oder Minus für das Wohlbefinden. Positive Gefühle und das Empfinden von Lebenssinn nahmen besonders gegen Ende der Schwangerschaft und in den ersten Monaten nach der Geburt deutlich zu. Gleichzeitig sank die Zufriedenheit mit der Partnerschaft – und auch die allgemeine Lebenszufriedenheit wurde geringer, zumindest in der Gesamteinschätzung, nicht aber im täglichen Erleben.
Das Team untersuchte auch, welche Alltagsfaktoren das Wohlbefinden der jungen Mütter beeinflussen. Schlaf blieb der wichtigste Stimmungsaufheller: Wer besser schlief, fühlte sich wohler und zufriedener. Nach der Geburt spielte jedoch vor allem das Baby die entscheidende Rolle – je häufiger es weinte, desto schlechter ging es den Müttern emotional. Soziale Kontakte außerhalb der Familie taten hingegen anfangs gut, wurden aber später teils als belastend erlebt.
Die Studie verdeutlicht: Der Übergang zur Mutterschaft ist ein vielschichtiger Prozess, in dem positive und herausfordernde Veränderungen gleichzeitig auftreten. Die Befunde helfen, widersprüchliche Ergebnisse früherer Forschung einzuordnen – und unterstreichen die Bedeutung, unterschiedliche Facetten von Wohlbefinden und deren zeitliche Dynamik gemeinsam zu betrachten.
Die Studie liegt auf Englisch vor.