35 Prozent der jüngeren Menschen mit Depression sprechen mit Künstlicher Intelligenz (KI) über ihre Erkrankung, 10 Prozent sogar in längeren, dialogischen Gesprächen wie mit einem menschlichen Gegenüber. Das zeigt eine im April 2026 veröffentlichte repräsentative Befragung von 2.500 Personen zwischen 16 und 39 Jahren. Als Hauptnutzungsmotiv gibt mehr als die Hälfte (56 Prozent) der jüngeren Erkrankten an, einfach mit jemandem über Probleme bezüglich der Depression sprechen zu wollen. 46 Prozent hoffen, damit ihre Erkrankung selbst in den Griff zu bekommen. Aufmunterung und Zuspruch suchen 41 Prozent der Erkrankten. Ähnlich viele Patientinnen und Patienten (40 Prozent) informieren sich mithilfe von KI über Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten.
85 Prozent der Nutzer mit Depressionshintergrund beschreiben die Gespräche mit den KI-Chatbots als hilfreich. Die KI wird als verständnisvoll (92 Prozent) und respektvoll (89 Prozent) erlebt. 75 Prozent gingen gestärkt aus dem Gespräch heraus, zwei Drittel (65 Prozent) empfanden im Dialog mit der KI sogar so etwas wie Nähe. Die Untergruppe der KI-Nutzenden, die bereits eine professionelle Psychotherapie erhalten hat, bewertet ihre Erfahrungen mit der KI zu 65 Prozent als besser oder genauso gut.
Nutzende beschreiben jedoch auch negative Erfahrungen. 57 Prozent der befragten Nutzenden mit Depression empfanden es als bedrückend, sich mit einem Computerprogramm zu unterhalten. Ein Befragter beschrieb dies so: Negativ sei das Gefühl gewesen, „zu wissen, dass das Gegenüber kein echtes fühlendes Wesen ist, sondern eine KI, die so programmiert wurde, dass sie Verständnis zeigt. Da ist keiner, der mich wirklich versteht.“
Grund zur Sorge ist, dass 53 Prozent nach der Nutzung verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid hatten. Besonders bedenklich ist dies, weil 62 Prozent der Nutzenden mit Depression der Meinung sind, die KI habe bei ihnen den Gang in ärztliche oder psychotherapeutische Praxis überflüssig gemacht.