Einsamkeit ist längst kein Randthema mehr, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Sie betrifft Menschen aller Altersgruppen und Lebenslagen und wirkt sich in vieler Hinsicht negativ aus: Andauernde Einsamkeit erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen, schwächt das Immunsystem und begünstigt chronische Krankheiten. Zudem kann sie die Lebenserwartung verringern. Über die gesundheitlichen Folgen hinaus beeinträchtigt Einsamkeit auch den sozialen Zusammenhalt. Menschen, die sich dauerhaft einsam fühlen, ziehen sich oft aus gesellschaftlichem Engagement zurück, verlieren Vertrauen in Mitmenschen und Institutionen – und sie sind weniger bereit, am politischen Prozess teilzunehmen. Somit gefährdet Einsamkeit nicht nur das individuelle Wohlbefinden, sondern auch die Stabilität unseres demokratischen Gemeinwesens sowie die Resilienz unserer Gesellschaft in Krisenzeiten.
Auch die Enquetekommission „Krisenfeste Gesellschaft“ des Landtags von Baden-Württemberg hat herausgestellt, dass Einsamkeit sowohl eine Folge von Krisen sein kann als auch deren Bewältigung erschwert. Gleichzeitig bergen ihre Auswirkungen – etwa durch den Verlust von Vertrauen und Solidarität – das Risiko, künftige Krisen zu verschärfen.
Vor diesem Hintergrund wurde die vorliegende Studie von April bis Oktober 2025 in Kooperation des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg mit der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Sie knüpft an frühere Untersuchungen der Bertelsmann Stiftung zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Baden-Württemberg (2019 und 2022) sowie an die Arbeit der Enquetekommission des Landtags an.
Ziel der Studie ist es, erstmals für Baden-Württemberg systematisch herauszuarbeiten, welche Bevölkerungsgruppen in besonderem Maße von Einsamkeit betroffen sind und welche Faktoren diese Entwicklung begünstigen. Damit werden wichtige Grundlagen geschaffen, um passgenaue Strategien und Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Einsamkeit zu schaffen und bestehende Ansätze weiterzuentwickeln.