Hintergrund
Menschen mit seelischer Behinderung (sB) weisen eine erhöhte somatische Morbidität und reduzierte Lebenserwartung auf, werden allerdings von Angeboten der Gesundheitsförderung kaum erreicht. Der Beitrag untersucht, wie Gesundheitsförderung im Setting der Eingliederungshilfe teilhabeorientiert gestaltet werden kann.
Methoden
Integrierte Analyse eines systematischen Literaturreviews mit qualitativer Evidenzsynthese sowie zweier qualitativer Studien in der Eingliederungshilfe mit Menschen mit seelischer Behinderung und Fachkräften unter Nutzung des Capability-Opportunity-Motivation-Model of Behavior Change (COM-B) als analytischen Rahmen.
Schlussfolgerungen
Menschen mit seelischer Behinderung zeigen ein deutliches Interesse an Gesundheitsförderung. Gesundheitsförderung in der Eingliederungshilfe kann dann wirksam werden, wenn sie auf Ebene der Leistungsträger zwischen den kurativ-medizinischen Leistungen (Sozialgesetzbuch (SGB) V) und der Eingliederungshilfe (SGB IX) strukturell geregelt und als Teilhabebedarf anerkannt wird. Eingliederungshilfeträger müssen Gesundheit konzeptionell verankern, Zuständigkeiten definieren und Zeitressourcen bereitstellen. Fachkräfte benötigen ein Selbstverständnis, das körperliche Gesundheit als Teilhabeaspekt einschließt sowie methodische Kompetenzen zur motivationssensiblen und stabilitätsorientierten Umsetzung. Für Menschen mit sB sind beziehungsorientierte, niedrigschwellige, unterbrechbare und alltagsintegrierte Angebote erforderlich, die an subjektive Gesundheitsbedeutungen anknüpfen und soziale Teilhabe fördern.