Hintergrund
Trotz geltender Impfempfehlung für Mädchen und Jungen gegen Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) sind die Impfquoten in Deutschland niedrig. Die Bekanntheit der Impfung ist eine Grundvoraussetzung für das Impfverhalten und damit für eine Steigerung der Impfquoten. Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die deutschlandweite Bekanntheit der HPV-Impfung jeweils für Mädchen und Jungen zu ermitteln sowie mögliche mit der Bekanntheit assoziierte Merkmale zur Soziodemografie, Familie und Beziehung und zum regionalen Kontext zu identifizieren. Die Ergebnisse dienen der Konzeption, Steuerung und Weiterentwicklung von Public-Health-Maßnahmen.
Methoden
Im Rahmen der LIEBESLEBEN-Studie wurden bevölkerungsweite Daten mittels Online-Befragung erhoben und nach für Deutschland repräsentativen Kriterien gewichtet (n = 4640). Die Daten wurden mittels bivariater Analysen sowie multivariater logistischer Regressionsmodelle ausgewertet.
Ergebnisse
Die HPV-Impfung für Mädchen ist 61,5 % der Befragten bekannt, die HPV-Impfung für Jungen kennen 32,6 %. Die Ergebnisse zeigen, dass die Impfbekanntheit, jeweils für Mädchen und Jungen, signifikant mit der Geschlechtsidentität, dem Bildungsstand, der sexuellen Orientierung und dem Zusammenleben mit Kindern assoziiert ist. Die Bekanntheit der Impfung für Mädchen ist zudem mit dem Beziehungsstatus und dem Grad der regionalen Deprivation assoziiert, die Bekanntheit der Impfung für Jungen mit dem Alter.
Diskussion
In Deutschland existieren Bekanntheitsdefizite zur HPV-Impfung. Dies gilt insbesondere für die Impfung für Jungen. Kommunikationsmaßnahmen und Informationsangebote, die (lebensweltbezogene) Ansprache der Zielgruppen, die Einbindung von Fachakteurinnen und -akteuren und der Ausbau einer impfförderlichen Versorgungsstruktur sollten intensiviert werden.